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Aufstieg der ‘Ghost Kitchens ’: Wie Huuva Essenslieferungen für alle verbessern will

By Targomo | 01 Dezember 2021
Finnish Startup Huuva offers shared ghost kitchens

Huuva bietet “Ghost Kitchens” für mehrere Restaurantmarken unter einem Dach an.

Es ist 11 Uhr und ein weiteres Online-Meeting steht an. Der Kühlschrank ist leer, der Partner steckt ebenfalls in einem Call vom Homeoffice aus. Nur: Wie kommt man nun zum Mittagessen?

Viele Menschen entscheiden sich heute dafür, schnell etwas zu bestellen – eine mittlerweile gangbare Option, die nicht mehr nur besonderen Anlässen vorbehalten ist. Zuletzt hat Covid-19 der Branche einen erheblichen Aufschwung beschert, und das Geschäft boomt. Doch der Lieferservice ist nicht mehr nur ein “Nebenprodukt” eines ansässigen Restaurants. Vielmehr verbreiten sich neue Geschäftsmodelle, die oft gar keine Restaurantflächen mehr bedürfen. Diese „Ghost Kitchens“ stellen daher ganz andere Anforderungen an Standortwahl und Expansion, als bisher für die Gastronomie üblich.

Wir haben mit einem der wohl spannendsten Startups gesprochen, das den Markt revolutionieren will: Huuva will von Helsinki aus die Welt erobern. Der Expansionsmanager Luukas Castrén erzählt uns, wie.

 

Luukas, was genau ist das Geschäftsmodell von Huuva?

Huuva bietet einen Komplettservice für Restaurants, die expandieren und ihr Geschäft ausbauen wollen. Wir verwalten Liefer- und Takeaway-Küchen, die von unserer eigenen Software und Technologie unterstützt werden. Unsere Partner-Restaurants zahlen uns eine Provision, in der die Liefer- und Mietkosten bereits enthalten sind.

Das klingt wie ein Shared-Kitchen-Modell?

Teilweise. Im Allgemeinen erhalten die Restaurantmarken ihre eigene Teil-Küche. Was gemeinsam genutzt wird, ist die Disposition. Huuva stellt einen Küchenmanager zur Verfügung, der den Restaurants beim Verpacken und Verteilen der Speisen an die Lieferkuriere hilft. Dieser Vorgang wird durch unsere Technologie unterstützt.

Was ist das Besondere an Huuva im Vergleich zu anderen Ghost-Kitchen-Unternehmen?

Wir arbeiten daran, die Essenslieferung für alle Beteiligten angenehmer, bequemer und profitabler zu machen: für die Verbraucher, die Restaurants und die Lieferpartner. Für die Verbraucher bringen wir Spitzenrestaurants auf ihre präferierte Lieferplattform. Wenn sie auf einer Plattform bestellen – sei es UberEats, FoodPanda oder was auch immer – können sie Gerichte von verschiedenen Restaurants in einer einzigen Lieferung kombinieren. Man kann sich das so vorstellen, als hätte man einen Food Court in seiner Tasche. Außerdem können sich unsere Kunden auf warme Mahlzeiten und hervorragende Qualität verlassen, da die Küchen für die Lieferung optimiert sind. Aus Sicht der Restaurants ist unser Modell eine risikoarme und kostengünstige Möglichkeit zu wachsen. Huuva verlangt keine mehrjährigen Mietverträge, wir verlangen keine umfangreichen Vorab-Renovierungen oder andere Investitionskosten, und wir kümmern uns um die Regularien und Bürokratie, die mit der Einrichtung einer neuen Küche einhergehen. Mit uns können Restaurants innerhalb weniger Tage mit dem Kochen beginnen und neue Märkte erschließen. Was die Lieferdienste betrifft, so sind wir in der Lage, ihre KPIs zu verbessern und ihre Plattformen um ein hochwertiges Restaurantangebot zu erweitern.

Das Finnische Startup Huuva will das Geschäft mit Essenslieferungen für Verbraucher, Kunden und Lieferdienste verbessern.

Wie sieht eine Küche aus, die für den Lieferservice optimiert ist?

Die Optimierung beginnt bereits bei der Auswahl des Standortes. Wir wählen Standorte, die ein hohes Lieferaufkommen unterstützen, da sie stark von Kurieren auf Fahrrädern und Rollern frequentiert werden. Außerdem planen wir ein Layout, das die Anzahl der Schritte in der Küche auf ein Minimum reduziert. Abgesehen von den physischen Aspekten der Küche hilft unsere Software den verschiedenen Restaurantmarken, ihre Kochvorgänge unter einem Dach zu planen, so dass die Bestellungen mehrerer Anbieter zum richtigen Zeitpunkt erledigt werden. Auf diese Weise ersparen wir den Köchen die mühsame Organisationsarbeit.

Wie reagieren die Restaurants auf Ihr Angebot?

Die Restaurants standen und stehen während Covid-19 und den Lock Downs vor enormen Herausforderungen. Außerdem stellen wir fest, dass sich die Ansprüche und Trends der Verbraucher schnell ändern, insbesondere bei den jüngeren Generationen in den Großstädten. Auch die Restaurantbesitzer sehen diesen Wandel. Wie bei Startups überleben viele Restaurantmarken nicht länger als 5 Jahre, so dass man ständig innovativ sein und sich idealerweise von der Masse abheben muss. Wir sehen, dass der Cloud-Kitchen-Ansatz ambitionierten Restaurantbesitzern bei der Bewältigung all dieser Herausforderungen helfen kann und sie bei der schnellen Konzeptentwicklung und -erprobung unterstützt, während sie sich gleichzeitig um die Entwicklung ihrer Marke kümmern können.

Wie entscheidest du als Expansionsleiter von Huuva, wohin sich das Unternehmen entwickeln soll?

Wir haben sehr ehrgeizige Wachstumspläne für die kommenden Jahre. Natürlich haben wir in unserem Heimatland Finnland begonnen, aber wir expandieren bereits ins Ausland. Wir wollen in den schnelllebigen Märkten präsent sein, in denen es schon heute genügend Volumen im Liefergeschäft und eine aufregende, lebendige Lebensmittel- und Restaurantszene gibt. Einer der schönsten Aspekte unseres Jobs ist es, sich in die Nachbarschaften, Städte und länderspezifischen Verbrauchertrends einzuarbeiten und zu planen, wie Huuva dort hineinpassen könnte. 

Luukas Castren is Head of Expansion at Huuva

Als Expansionsleiter plant Luukas Castren, wo Huuva seine neuen Ghost Kitchens eröffnen wird.

Könntest du ein Beispiel dafür geben, wie sich diese Trends geografisch unterscheiden?

Für uns ist es wichtig, herauszufinden, wie verbreitet das Konzept der Essenslieferung in den einzelnen Märkten ist. In den nordischen Ländern bestellt ein Verbraucher im Durchschnitt zweimal pro Monat eine Mahlzeit. In Griechenland hingegen sind es durchschnittlich 15. Und in Mitteleuropa liegt die Zahl irgendwo dazwischen. Und die Konsummuster können sehr unterschiedlich sein. Indisch ist zum Beispiel in London und im gesamten Vereinigten Königreich sehr beliebt, während es in den mitteleuropäischen Ländern nicht ganz so nachgefragt ist. Aber es gibt auch Unterschiede von Stadt zu Stadt und sogar von Stadtviertel zu Stadtviertel.

Welche Strategie verfolgst du bei der Erschließung neuer Märkte?

Wir haben zwei Ansätze: Der erste besteht darin, Spitzenrestaurants in unterversorgte Stadtteile zu bringen. Wir sind der Meinung, dass die trendigsten und angesagtesten Restaurants nicht das Privileg von Stadtzentren oder bestimmten Hot Spots sein sollten. Wir wollen sie in Gegenden bringen, in denen wir eine Kundennachfrage sehen, die derzeit nicht durch das bestehende Restaurantangebot gedeckt wird. Der zweite Ansatz besteht darin, in diesen Stadtzentren und Hotspots zu arbeiten, indem wir den dortigen Restaurants helfen, ihr Liefergeschäft von ihrer stationären Küche zu trennen. Wenn der Speisesaal voll ist, stoßen die stationären Küchen schnell an ihre Kapazitätsgrenze, wodurch ihnen potenzielle Einnahmen entgehen.

Wie beurteilst du das Potenzial neuer Standorte?

Wir machen unsere eigenen detaillierten Standortanalyse mit der Plattform TargomoLOOP. Sie liefert uns alle relevanten soziodemografischen Daten, die für das Verständnis verschiedener möglicher Lieferzonen entscheidend sind. In Kombination mit den Analysefunktionen ermöglicht uns das Tool, neue geografische Gebiete zu erkunden und Standorte objektiv zu vergleichen. Der zweite Schritt besteht dann darin, zu bewerten, wie der potenzielle Standort unsere Layout- und Betriebsanforderungen unterstützt.

Wohin wird sich der Markt der Essenslieferungen deiner Meinung nach in den nächsten Jahren entwickeln?

McKinsey & Company hat im September 2021 eine aktuelle und treffende Analyse veröffentlicht, die deutlich macht, dass das Gaststättengewerbe jetzt und in Zukunft neue Geschäfts- und Betriebsmodelle benötigt. Im Bereich der Cloud-Kitchens gibt es bereits verschiedene Modelle, von virtuellen Restaurantmarken über die Optimierung der Nutzung bestehender Restaurantküchen bis hin zu einfachen Küchenmietmodellen. Wir bei Huuva sind der Meinung, dass man die Herausforderungen aller Beteiligten in der Restaurant- und Essenslieferungsbranche berücksichtigen muss, um echte, nachhaltige Veränderungen und Wachstum zu erzielen. Nichts ist so sicher wie der Wandel, und wir bei Huuva setzen uns dafür ein, das Erlebnis für die Verbraucher zu verbessern und Restaurants sowie Lieferanten in die Lage zu versetzen, ihr Geschäft nachhaltig zu verbessern.

Vielen Dank für das Interview!

 

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